Ägypten nach dem Knall - Tauch- und Tourismusreinkarnation?

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Ein paar Monate ist es her, da hat das ägyptische Volk ihren „Helmut Kohl“ aus dem Amt gejagt und damit für den Zusammenbruch einer der wichtigsten Einnahmequelle gesorgt – dem Massentourismus. Doch bekanntlich hat Ägypten durch diverse Anschläge schon viel Erfahrung mit flüchtenden Touristen und zeitweise leeren Stränden sammeln können. Bisher strömten die Touristen kurze Zeit immer wieder in das Land der Pyramiden. Bei einigen Ägyptern auch einfach nur „Opfer“ genannt, wie Touristen sich auspressen lassen wie eine Zitrone. Ein Blick auf die Datenbanken der Reiseveranstalter verrät schnell: Der Rubel rollt wieder.

Wer noch nie in Ägypten war und die Preise nicht kennt, lässt sich jetzt sicherlich schnell von der Vorstellung verleiten, Ägypten ist nach der Revolution billiger. Doch nichts dergleichen. Hin und wieder ein paar gute Angebote, ansonsten eher erstaunlich hohe Preise für ein Land, was nach wie vor vom Auswärtigen Amt nicht als das sicherste eingestuft wird. Doch von den Problemen abgesehen – Ägypten reizt eben immer wieder, gerade durch das gut verträgliche Klima mit dem garantierten Sonnenschein. Auch mich hat das Tauchfieber wieder gepackt. Nach drei Abstinenz wieder an das Rote Meer. Sonne und Wärme tanken. Leider sind die Angebote auf dem Sinai nicht besonders reizvoll. 900 Euro sind für mich für einen Bade- bzw. Tauchurlaub einfach zu viel, da diverse Nebenkosten beim Wassersport noch zuzurechnen sind. Auch wenn der Sinai der schönere und attraktivere Teil Ägyptens ist, bleibt am Ende wieder nur Hurghada – nicht schön, aber eben günstig.

500 Euro bei all-inclusive – für diesen Preis habe ich noch nie etwas bekommen. Das ist die gute Seite. Die schlechte Seite: vieles ist eben nicht mehr „all-inclusive“. Zum Beispiel das Tauchgepäck. Einst kostenlos als Service von den meisten Airlines befördert, schlägt es nun mit 50 Euro zu buche. Das Abzock-Touristenvisum ist schon lange aus dem Reisepreis herausgerechnet worden. Wer es nicht weiß, wird damit schon am Flughafen, wenn quasi der erste Schritt auf ägyptischen Boden gesetzt wird, übers Ohr gehauen. Die Reiseveranstalter, die mit überwiegend einheimischen Angestellten vor Ort operieren, lotsen die Massen der Touristen bei Ankunft zu einem Schalter, an denen ihnen das Visum für schlappe 25 Euro vertickt wird. Natürlich erwähnt dort niemand, dass genau das gleiche Visum am offiziellen Bankschalter im Flughafen für 15 Dollar zu erwerben ist. Doch rechnen wir mal zusammen. Mit einem günstigen Visum und dem Tauchgepäck hat sich die Reise von 500 auf 560 erhöht. Das ist bis jetzt eigentlich immer noch recht preiswert.

Der große Kostenfaktor bei einem Tauchurlaub ist natürlich das Tauchen selbst. Trotz eigenen Equipment sind die Tauchpreise in Hurghada, im Vergleich mit ca. 50 Tauchschulen, zum Jahr 2008 um mindestens 25 % gestiegen.

Addieren wir erneut 300 Euro fürs Tauchen darauf, wären wir bei 860 Euro. Geht eigentlich immer noch, wenn man bedenkt, dass andere für diesen Preis oft nur ein mittelmäßiges Hotel mit HP in Hurghada buchen. Doch für einen Tauchurlaub wäre ein tolles Hotel wohl eher Geldverschwendung.

Das Triton Empire Hotel in Hurghada scheint ein relativ altes Hotel zu sein. Doch wenn es ein Fenster im Raum gibt und die Russen noch am Buffet etwas übriglassen, darf wohl niemand meckern. Es bleibt diesbezüglich also erst einmal spannend.

Spannend bleibt es auch in der Angelegenheit „Wo tauche ich denn nun?“. Ein Check der Tauchschulen in Hurghada ist eher frustrierend. Die Tauchbasis Aquanaut Blue Heaven in Hurghada hat zwar noch eine imposante Internet-Präsenz, scheint aber den Betrieb eingestellt zu haben. Mehrere E-Mails blieben bis heute unbeantwortet. Bei anderen Tauchschulen, dessen Internetauftritt keine vernünftige Preisauskunft hergab, lief es auch nicht besser. Bei 10 Anfragen bekam ich lediglich 4 Antworten. Etliche E-Mails kamen zurück, was darauf hindeutet, dass die Tauchbasis nicht mehr existiert oder nicht professionell geführt wird. Anstatt um dieses Jahr sicherlich etwas geringere Gästezahl zu kämpfen, scheinen die meisten Tauchbasen in Hurghada zu denken, dass sich alles von alleine regelt. Marketing und Kundenfreundlichkeit ist bei Tauchern wohl noch nicht wirklich angekommen. Aber vielleicht haben sie in den letzten Jahren mit den Preisen schon den großen Reibach gemacht, dass vieles eben nicht mehr als notwendig angesehen wird. Wie dem auch sei, die Suche nach einer im Preis-Leistungs-Verhältnis stehenden Tauchschule geht vorerst weiter. Es bleiben ja noch 4 Wochen Zeit.

 

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Hendrik Lorenz

*1970 in Braunschweig.
Technischer Redakteur, Offsetdrucker und professionelles Arschloch.

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