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- Hendrik Lorenz
- Kategorie: Blog
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Wer schon immer einmal erleben wollte, wie sich ein Supermarkt anfühlt, wenn die Auswahl eines Kiosks auf die Preise eines Feinkostladens trifft, ist hier genau richtig. Der Laden ist klein, die Auswahl entsprechend überschaubar und die Preise durchaus selbstbewusst. Für den großen Wocheneinkauf sollte daher besser ein anderer Ort gewählt werden. Für den klassischen „Verdammt, das Bier ist alle“-Noteinkauf reicht es allerdings allemal. Beim Mindesthaltbarkeitsdatum empfiehlt sich ein genauer Blick. Bei manchen Produkten wirkt das Datum weniger wie eine Information als vielmehr wie eine spannende Zukunftsprognose. Ein gewisser Entdeckergeist gehört beim Einkauf offenbar zum Sortiment. Besonders zuverlässig unzuverlässig präsentiert sich der Flaschenückgabeautomat. Dieser scheint die Auffassung zu vertreten, dass ein dauerhaft funktionierender Zustand eine unnötige Belastung darstellen würde. Also müssen die Pfandflaschen regelmäßig vom Personal entgegengenommen werden. Eigentlich kein Problem. Eigentlich. Denn wer es wagt, 15 Minuten vor Ladenschluss mit seinen Pfandflaschen aufzutauchen, bekommt bei einzelnen Mitarbeitern offenbar das Gefühl vermittelt, gerade einen persönlichen Großeinsatz der Belegschaft ausgelöst zu haben. Freundlichkeit sieht jedenfalls anders aus. Dabei bleibt bei manchen Begegnungen ein durchaus befremdlicher Eindruck zurück: Als deutscher Kunde in einem orientalisch geprägten Supermarkt könnte beinahe der Eindruck entstehen, nicht unbedingt zur bevorzugten Zielgruppe zu gehören. Besonders bitter wäre dabei die Vorstellung, dass ein deutscher Kunde in den Augen eines Mitarbeiters womöglich sinngemäß als „Kafir“ – also als Ungläubiger bzw. Nicht-Muslim – betrachtet wird. Wohlgemerkt: Dieser Begriff wurde in der beschriebenen Situation nicht ausgesprochen. Es geht vielmehr um den Eindruck, den ein entsprechend distanziertes oder abwertendes Verhalten beim Betroffenen hinterlassen kann. Natürlich bleibt das eine persönliche Wahrnehmung und kein Beweis für eine bestimmte Einstellung. Vielleicht war es schlicht schlechte Laune. Vielleicht Stress. Vielleicht ein besonders schlechter Tag. Wenn deutsche Kunden allerdings wiederholt eher das Gefühl bekommen, geduldet als willkommen zu sein, darf durchaus die Frage nach dem Grund gestellt werden. Die Ironie dabei ist kaum zu übersehen: Der Laden befindet sich in Deutschland, die Kunden bezahlen mit deutschem Geld und am Ende steht eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher Einkauf auf dem Programm – oder, noch anspruchsvoller, die Rückgabe von Pfandflaschen. Dafür sollte eigentlich keine kulturelle Großveranstaltung erforderlich sein. Auch das permanente Duzen wirkt wenig respektvoll. Ein lockerer Umgangston kann sympathisch sein – vorausgesetzt, beide Seiten empfinden ihn als angenehm. Das Weglassen des „Sie“ macht einen Umgangston schließlich nicht automatisch freundlicher.
Wichtig ist ausdrücklich: Nicht alle Mitarbeiter sind damit gemeint. Gerade die Damen an der Kasse werden als freundlich und zuvorkommend erlebt. Umso stärker fällt das Verhalten einzelner männlicher Mitarbeiter auf. Das Fazit fällt entsprechend gemischt aus: Für den kleinen Notfall-Einkauf ist der Laden durchaus brauchbar. Beim Kundenservice hingegen besteht durchaus noch Luft nach oben. Vielleicht wäre für einige Mitarbeiter eine kleine Auffrischung in den Bereichen Kundenservice, Höflichkeit und die erstaunliche Erkenntnis, dass auch deutsche Kunden tatsächlich einkaufen dürfen, durchaus hilfreich. Denn wenn deutsche Kunden in einem deutschen Supermarkt bereits den Eindruck bekommen, eigentlich nicht erwünscht zu sein – vielleicht sogar als eine Art „Kafir“ wahrgenommen zu werden –, läuft im Bereich Kundenservice definitiv etwas schief. Und falls der persönliche Umgang mit Kunden tatsächlich so schwerfällt, bleibt immer noch die eleganteste aller Lösungen: Laden zu machen. Berufliche Neuorientierung – möglichst weit weg vom "deutschen" Kundenkontakt und sich am besten im Bereich der Shisha Bar, Wettbüro, Fahrschule, Gemüsehandel, Döner oder Barbershop. Da ist die Gemeinschaft unter sich und muss sich nicht mit den lästigen Ungläubigen abgeben.