Eine Stadtbild und Altersalltagserfahrung in Berlin - im besten Deutschland aller Zeiten

0.0 of 5 (0 Votes)



Berliner Stadtbild

Der Tag beginnt gegen 10 Uhr. Computer an, Nachrichten auf dem Bildschirm. Und täglich grüßt das Murmeltier. Messerstechereien, Clan-Schießereien, Raub, Diebstahl, Gruppenvergewaltigung und sonstige Gewalttätigkeiten gehören längst zum täglichen Nachrichtenangebot. Dazu kommen die obligatorischen Erklärungen, Einordnungen und Beschwichtigungen der Medienhäuser. Das eigentlich Erschreckende ist längst nicht mehr die einzelne Tat. Das Erschreckende ist die Gewöhnung daran. Was früher eine Sondersendung ausgelöst hätte, reicht heute allenfalls für eine Randnotiz. Ein weiterer Eintrag in der täglichen Statistik des gesellschaftlichen Niedergangs. Kurz zur Kenntnis nehmen, Betroffenheit heucheln, weiterblättern bis zur nächsten Horrormeldung.

Nach der morgendlichen Dosis Realität folgt der Blick auf das Klingelschild. Wieder ein neuer Name. Wieder ein Name, der nicht ausgesprochen werden kann ohne zu spucken. In einem Strang mit 47 Wohnungen finden sich inzwischen 35 entsprechend fremdsprachige Namen. Die frühere Vorstellung der GESOBAU AG einer „gesunden Mischung“ verschiedener Bewohner wirkt rückblickend beinahe wie ein gescheitertes ideologisches Projekt. Multikulturelles Zusammenleben funktioniert auf dem Papier hervorragend. In der Realität wird daraus gelegentlich ein faszinierendes Experiment darüber, wie viele unterschiedliche Vorstellungen von Rücksichtnahme, Sauberkeit, Lärm und öffentlichem Verhalten auf engstem Raum miteinander zusammenstoßen können.

Dann geht es Richtung U-Bahn. Auf dem Weg zur Station Wittenau zeigt sich das Berliner Stadtbild von seiner inzwischen vertrauten Seite. Frauen mit Kopftüchern, Männer in orientalisch geprägter Kleidung. Dazwischen kaputte Gehwege und überall Müll. Der Gehweg ist an zahlreichen Stellen so beschädigt, dass aus einem kurzen Fußweg eine echte Bedrohung der Gesundheit wird. Nach Einbruch der Dunkelheit ist die Benutzung des Gehweges ohne Taschenlampe lebensgefährlich. Straßenlaternen, die seit geraumer Zeit nicht funktionieren, werden offenbar vorsätzlich nicht mehr instandgesetzt. An der Tankstelle folgt der nächste Höhepunkt des guten Lebensgefühls. Diesel für 2,45 Euro. Ein echtes Schnäppchen. Auf einer Parkbank sitzen drei offensichtlich stark alkoholisierte Personen negrider Herkunft und streiten lautstark. Die Auseinandersetzung eskaliert und Schläge werden untereinander ausgeteilt. Ein bärtiger Passant greift ein, verteilt eine ordentliche Ohrfeige und beendet damit die Vorstellung. Die Beteiligten suchen anschließend das Weite. Ordnungspolitik auf Berliner Art.


Am U-Bahnhof Wittenau hat sich inzwischen eine Szene aus osteuropäischen Pennern etabliert, die dort den öffentlichen Raum als verlängertes Wohnzimmer und Schlafzimmer betrachten. Der Parkplatz vor dem EDEKA wird dadurch zur kostenlosen Sanitäranlage. Pissen, kacken, herumlungern. Das nennt sich dann wahrscheinlich urbanes Leben. In der U8 setzt sich die Reise durch das moderne Berlin fort. Ein wildes Stimmengewirr aus zahlreichen Sprachen erfüllt den Waggon. Deutsch ist dabei nicht mehr wahrzunehmen. Der Wagen selbst präsentiert sich als Mischung aus öffentlichen Verkehrsmittel und rollender Müllhalde. Es stinkt nach Pisse und Scheiße. Schmutz, aufgeschlitzte Sitze und Schmierereien gehören inzwischen beinahe zum Standardinterieur. Außen am Waggon sorgt eine dicke Schicht Graffiti dafür, dass der Blick aus dem Fenster nicht mehr möglich ist. Zwischen den Stationen wechseln die Akteure. Bettelnde Zigeuner, bulgarische Straßenmusiker, Verkäufer von Obdachlosenzeitungen und Geisteskranke. Dazu bärtige Fahrkartenkontrolleure, die auftreten als seien sie die Herrenmenschen. Und als wäre die Fahrt mit der U-Bahn nicht bereits schlimm genug, da gibt es noch die S-Bahn. Verspätungen, Zugausfälle, Störungen und kurzfristige Änderungen gehören zum Berliner Alltag wie die Ansage „zurückbleiben Bitte“. Wer pünktlich irgendwo erscheinen möchte, sollte viel Zeit einplanen oder besser gleich zu Fuß gehen.

Auf der Arbeit folgt schließlich das nächste Kapitel deutscher Realität. Das Personalbüro beschwert sich permanent über den Ansturm an Bewerbern auf offene Stellen und die damit verbundene Arbeit. Der Fachkräftemangel lässt grüßen. Offenbar handelt es sich dabei um eine besonders innovative Definition von Fachkräftemangel. Es gibt angeblich keine Fachkräfte, gleichzeitig gibt es mehr als genug Bewerber. Vielleicht liegt das Problem nicht beim fehlenden Personal, sondern bei den Anforderungen, die ein Arbeitgeber tatsächlich an Personal stellt.

Nach Feierabend geht es Richtung Märkisches Zentrum. Unterwegs wird meine Person von drei Talahons auf einem E-Roller über den Haufen gefahren. Anschließend folgt keine Entschuldigung, sondern einen Fucker. Das Märkische Zentrum war einmal ein Einkaufszentrum. Dabei liegt die Betonung auf „war“. 2020 begannen Modernisierungsarbeiten in diesem Komplex. Eine Tiefgarage und ein Gebäude wurden abgerissen. Danach geschah gar nichts mehr. Übrig blieb ein riesiger Krater, leerstehende Geschäfte und ein Areal, das inzwischen eher den Charme eines verlassenen Industriegebiets versprüht.

Wer gelegentlich in den Wedding fährt, bekommt eine ähnliche Stadtbildanalyse geliefert. Die Müllerstraße war bereits vor zwanzig Jahren kein attraktiver Kiez. Immerhin existierten damals noch zahlreiche kleine traditionelle Fachgeschäfte. Heute präsentiert sich der Abschnitt zwischen Rehberge und Leopoldplatz als beeindruckende Aneinanderreihung von Dönerläden, Spielhallen, Barbershops, Shisha-Bars, Wettbüros, Ein-Euro-Läden, Handyshops, Backshops, orientalischen Restaurants, türkischen Brautmodengeschäften und Spätis. Ein wirklich idyllisches Stadtbild. Traditionelle Restaurants, Cafés oder Kneipen mit deutschem kulturellem Hintergrund sind in zahlreichen Gegenden inzwischen zur Ausnahme geworden. Wer eine andere Form von Stadtbild sucht, muss dafür nach Charlottenburg oder Steglitz-Zehlendorf ausweichen. Dort gibt es tatsächlich noch Straßenzüge, bei denen der Begriff „bürgerlich“ nicht als Beleidigung verstanden wird.

Und dann wäre da noch die medizinische Versorgung. Ein Facharzttermin wird manchmal benötigt. Also wird zum Telefon gegriffen. Entweder geht niemand ans Telefon oder eine freundliche Maschine erklärt, dass gerade niemand erreichbar ist. Viele Praxen nehmen überhaupt keine neuen Patienten mehr auf. Falls doch, beträgt die Wartezeit gerne einmal sechs Monate. Und selbst dieser Termin ist keineswegs sicher. Eine kurzfristige Absage durch die Praxis ist inzwischen Normalität. Und selbstverständlich wird für diese herausragende medizinische Versorgung auch noch kräftig die Hand aufgehalten. Wer über viele Jahre hohe Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlt, darf durchaus erwarten, im Krankheitsfall eine entsprechende Gegenleistung zu erhalten. Stattdessen findet sich der Beitragszahler plötzlich in derselben Warteschlange wieder wie jemand, der kaum oder gar nichts in dieses System eingezahlt hat. Zum Beispiel unsere neudeutschen Fachkräfte, die Mama Merkel einst eingeladen hat. Dann ist da auch noch der berühmte Berliner Notruf. Wer dort anruft, sollte sich in Geduld üben. 15 Minuten Wartezeit bis das Bürgeranliegen entgegengenommen wird, ist keine Seltenheit.

Fazit
Das Stadtbild verändert sich tatsächlich. Die Frage ist nur, ob diese Veränderung wirklich Fortschritt heißt oder schlicht einfach nur Verfall, Vermüllung, Verarmung oder Totalaufgabe bedeutet. Berlin ist nur eine von vielen Städten in dieser Republik mit dem gleichen Schicksal. Doch die Einwohner dieses Landes sind an diesen Zuständen nicht ganz unschuldig. Wie heißt es immer so schön? Gewünscht, gewählt, geliefert. Wer sich immer wieder Versager und Taugenichtse in die Regierung wählt, hat es eigentlich nicht besser verdient. Leider hat dieses unverantwortliche Fehlverhalten auch die gleichen Konsequenzen für die, die gewisse Entscheidungen immer abgelehnt haben.

Kommentar schreiben

Senden

Nichts gefunden?

Letzte Kommentare